Wenn dies nicht Ihr erster Frauenarztbesuch ist, werden Sie die Abläufe wahrscheinlich schon kennen. Egal, ob Sie erfahren oder ein Neuling sind, kann ein Besuch beim Frauenarzt auch ein wenig unangenehm und peinlich sein. Sagen Sie Ihrem Arzt ruhig, dass Sie aufgeregt oder beschämt sind, das schafft vielleicht sogar eine gute Vertrauensbasis.
Die ersten fünf Minuten beim Frauenarzt werden wahrscheinlich genauso beginnen wie jeder andere Arztbesuch. Zunächst wird Sie der Arzt/die Ärztin nach Ihrem bisherigen Krankheitsverlauf befragen und über mögliche jüngste Krankheitszeichen oder Veränderungen in Ihrer Gesundheit. Er/sie wird sich wahrscheinlich auf gynäkologische Themen konzentrieren wie etwa "Sind Sie sexuell aktiv?" oder "Haben Sie schon einmal Unregelmäßigkeiten in Ihrer Menstruation beobachtet oder Probleme gehabt?" Es ist wichtig, auf Fragen zum Geschlechtsverkehr und zu Symptomen offen und ehrlich zu antworten. Es steht dem Arzt/der Ärztin nicht zu, ein Urteil über Sie zu fällen und er/sie darf Ihre Auskünfte keiner anderen Person mitteilen. Je mehr der Arzt/die Ärztin über Sie weiß, umso besser kann er/sie Ihnen helfen
Dann werden Ihr Gewicht und Ihr Blutdruck notiert und man wird Sie bitten, sich zu entkleiden.
Dann wird Ihr Arzt in den Raum zurückkehren und Ihr Herz und Ihre Lungen abhören, Ihre Schilddrüse und den Bauch untersuchen, und in einigen Fällen Blutproben entnehmen und sich eine Urinprobe geben lassen. Er/sie wird vielleicht auch eine einfache Brustuntersuchung durchführen und Ihnen Anleitung zur Selbstuntersuchung der Brust geben. Bei der Brustuntersuchung tastet er/sie Ihre Brust in kreisenden Bewegungen auf Knötchen oder Abnormitäten ab. Das dauert nur eine Minute.
Der wichtigste Teil Ihres Frauenarztbesuchs ist die Beckenuntersuchung. Sie werden vom Arzt aufgefordert, sich auf einen Untersuchungsstuhl zu setzen und die Beine in Bügel zu stecken. Dann setzt sich der Arzt vor Sie, um Ihre äußeren und inneren Geschlechtsorgane zu untersuchen. Wenn Sie einen männlichen Arzt haben, sollte während der Untersuchung immer eine weibliche Sprechstundenhilfe zugegen sein, doch auch Frauenärztinnen haben häufig eine Sprechstundenhilfe dabei. Scheuen Sie sich nicht, um die Anwesenheit einer zweiten Person im Raum zu bitten, wenn Sie sich unwohl fühlen. Es ist Ihr Recht und der Arzt darf hierauf nicht ungehalten reagieren.
Der erste Teil der Beckenuntersuchung erfolgt mit einem Spekulum. Das Spekulum ist ein langes, trichterförmiges Instrument, das in die Scheide eingeführt wird und mit dem der Arzt die Scheidenwände und den Muttermund betrachten kann. Dieses Instrument kann aus Kunststoff oder Metall sein. Die Metallausführung fühlt sich manchmal etwas kalt an. Bitten Sie den Arzt, etwas warmes Wasser darüber laufen zu lassen, um es angenehmer zu machen.
Wenn der Arzt mit der Untersuchung beginnt, merken Sie, wie das Spekulum vorsichtig eingeführt wird. Wenn es sich unangenehm anfühlt oder Sie Schmerzen empfinden, müssen Sie dies dem Arzt mitteilen, damit er entsprechend die Lage verändert oder anderweitig Abhilfe schaffen kann.
Bei eingeführtem Spekulum wird der Arzt einen so genannten Abstrich machen. Hierzu benutzt er/sie ein längliches Instrument, mit dem eine winzige Gewebeprobe von Ihrem Muttermund genommen wird. Das wird gemacht, um bösartige Zellen oder Gebärmutterhalskrebs zu entdecken. Auf diese Weise lassen sich auch einige Geschlechtskrankheiten nachweisen.
Den meisten Frauen tut die Abstrichentnahme nicht weh. Ein leichtes Druckgefühl, etwas Unbehagen oder manchmal sogar Krämpfe sind jedoch möglich. Mitunter blutet es nach einem Abstrich leicht. Das ist aber normal und hört nach wenigen Stunden wieder auf.
Mit Abstrichuntersuchungen sollten Sie beginnen, wenn Sie 18 Jahre alt geworden sind, oder wenn Sie sexuell aktiv werden - je nachdem, was zuerst eintritt. Vor einem Abstrich sollten Sie sicher gehen, dass Sie nicht Ihre Periode haben und einen Tag zuvor keine Intimdusche vorgenommen haben. Beides kann die Ergebnisse verfälschen und erfordert womöglich eine Wiederholung des Tests.
Nach der Beckenuntersuchung und dem Abstrich entfernt der Arzt/die Ärztin das Spekulum wieder. Der gesamte Vorgang dauert nur wenige Minuten.
Nachdem der Hauptteil Ihres Arztbesuchs nun überstanden ist, wird der Arzt/die Ärztin eine vorsichtige äußere Untersuchung vornehmen. Hierzu benutzt er/sie eine Hand, um mit ihr außen auf Ihren Bauch zu drücken, während er/sie einen oder zwei Finger der anderen behandschuhten Hand in Ihre Scheide führt. Durch diesen Gegendruck von innen und außen kann der Arzt Ihre Geschlechtsorgane abtasten. Er/sie kontrolliert die Größe, die Beschaffenheit, die Form und die Lage des Gebärmutterhalses und der Gebärmutter.
Anschließend werden auf beiden Seiten des Bauches die Eierstöcke ertastet, um mögliche Tumore oder empfindliche Bereiche zu erkunden. Denken Sie daran, dem Arzt/der Ärztin anzuzeigen, wenn Sie Schmerzen oder empfindliche Stellen haben. Das hilft dem Arzt bei der Feststellung von möglichen Problemen.
