Wissenschaftliche Hintergründe zu PMS

Obwohl nahezu jede Frau einmal in ihrem Leben vom Prämenstruellen Syndrom (PMS) betroffen ist, wissen Ärzte bisher nur wenig darüber. Neue Studien weisen auf einen biologischen Faktor hin - die Hormone - als prinzipielle Ursache für PMS.

Die Eierstockhormone Östrogen und Progesteron werden im Laufe eines jeden Monatszyklus gebildet. Diese Hormone werden über die Blutbahn zu den Zellen transportiert, wo sie deren Funktion beeinflussen. Das Gehirn besteht aus Millionen von Zellen, die auf die Wirkung der Eierstockhormone und deren Schwankungen während des Monatszyklus reagieren. Diese Hormone dienen der Steuerung grundlegender Gehirnfunktionen. Hierzu zählen Schlaf, Körpertemperatur, sexuelles Empfinden, logisches Denkvermögen und Stimmungen.

Auf viele Frauen kann sich die Reaktion des Gehirns auf die Eierstockhormone auch negativ auswirken. Millionen von Frauen erleben Monat für Monat 7 bis 10 Tage vor der erwarteten Regelblutung das Auftreten von PMS, welches sich in Reizbarkeit, Angst und Traurigkeit äußert. PMS war Gegenstand vieler wissenschaftlicher Studien, die uns geholfen haben zu verstehen, wie Eierstockhormone die Abläufe im Gehirn beeinflussen. Eierstockhormone beeinflussen den Blutstrom zum Gehirn. Sie unterstützen das Wachstum von Hirnzellen, die die Produktion und die Ausschüttung von Neurotransmittern (Botenstoffen) aufrechterhalten und fördern. Diese Neurotransmitter sind für viele unterschiedliche Vorgänge im Gehirn verantwortlich.

Eine jüngste Studie, durchgeführt vom National Institute of Mental Health, hat herausgefunden, dass PMS-Symptome eine abnormale Reaktion auf einen normal produzierten Hormonspiegel sind. Frauen mit schweren Symptomen wurden mit Frauen verglichen, die dieses Syndrom nicht hatten. Bei Frauen mit schweren Symptomen, die mit einem Medikament behandelt wurden, das die Produktion von Hormonen in ihren Eierstöcken unterband, wurde eine sehr deutliche Verringerung der Symptome festgestellt. Gleichzeitig wurden diesen Frauen auch Placebos verabreicht, d. h. Präparate, die keine Wirkung auf ihre Eierstöcke hatten und keinerlei Hormone enthielten. Bei Einnahme des Placebos blieben die Symptome unbeeinflusst.

Die Frauen mit PMS, bei denen nach der Blockierung der Eierstöcke eine Abnahme der Symptome beobachtet wurde, erhielten daraufhin einen Ovulationshemmer unter Zusatz von entweder Östrogen oder Progesteron. Bei Einnahme eines dieser beiden natürlichen Hormone traten die PMS-Symptome erneut deutlich auf. Die Frauen, die nicht unter PMS litten, zeigten keine Reaktion auf die Behandlungen, wie sie bei den PMS-betroffenen Frauen zu beobachten waren.

Somit scheint die Studie klar zu belegen, dass PMS eine Störung einer abnormalen Empfindlichkeit gegenüber einem Eierstockhormonspiegel ist. Symptome wie Traurigkeit, Angst und Reizbarkeit, die je nach Phase im Menstruationszyklus auftreten, sollten als biologische Funktionsstörung betrachtet werden. Obwohl Ovulationshemmer nicht auf unbegrenzte Zeit eingenommen werden können, könnten sie bei Frauen mit ausgeprägt starken Symptomen zumindest über eine kürzere Zeit eine Lösung sein.

Über eine längere Zeit würden Frauen an den Auswirkungen unangemessen hoher Eierstockhormonspiegel beispielsweise an Knochensubstanzverlust und Osteoporose erkranken. Dennoch hilft der hormonhemmende Wirkstoff, PMS als einen durch eine Hypersensibilität auf Eierstockhormone hervorgerufenen Krankheitszustand zu definieren. Diese neue Erkenntnis über PMS führt vielleicht zu neuen und besseren Behandlungsmethoden.